
"Mädels, Ihr seid toll, und Hans, ... Du bist auch toll."
So kommentiert Hagen Keller, der Regisseur, die geprobte Szene und die Leistung seiner jungen DarstellerInnen: Elinor Lüde (Lena), Sandra Zänker (Alex), Luise Kehm (Klara), Rosalie Eberle (Isabell) und Benjamin Strecker (Hans).
Die Freundinnen haben Lenas improvisiertes Schlagzeug in der Wohnung von Hans aufgebaut. Hier findet sie Zuflucht, nachdem sich ein weiteres Zusammenleben mit ihren Eltern als zu schwierig herausgestellt hat.
Es ist der 11. Drehtag des Spielfilms Meer is nich, der Coming-of-Age Story von Lena. Das autobiographisch angehauchte Drehbuch von Regisseur Hagen Keller liest sich rührend, amüsant, bewegt und bleibt immer abseits der Klischees. Lenas großer Traum und großes Ziel - mit 17 - ist die Musik. Der Film spielt in Weimar, gedreht wird heute in Apolda, die ehemaligen Nori Werke, gleich gegenüber vom Bahnhof. In der einen Etage ist die Wohnung von Hans aufgebaut, Licht ist von Außen auf dem Vorbau eingerichtet, Innen alte Rohre und abblätternde Farbe. Zusätzliche Scheinwerfer hängen von der Decke ab. Anke, die Set Photographin, schmunzelt: "Die Wohnung ist angelehnt an ...... Wohnverhältnisse, schön zugeramscht, schön viel Abwasch!"
"Wir müssen jetzt drehen, weil in zehn Minuten isses Licht weg," meint Peter, der Regieassistent.
Noch einen Probedurchlauf.
Hagen: " 'N kurzen Moment noch, dann dreh'n wer."
Philipp (Kamera): "Jetzt ist die Sonne grade weg."
Peter: "Ich hab's doch gewusst!"
Ein Scheinwerfer wird aufgebaut, der richtige Filter davor gesetzt und schon geht die (künstliche) Sonne wieder auf.
Peter: "Und Achtung, wir drehen, das Playback - meine Damen und Herren, startet auf 'Bitte' ... und Achtung!"
Hagen: "Ton und Video bitte ab."
Mark (Ton): ?Ton läuft.?
Hagen: ?Und Bitte!?
Die Musik plärrt 'Ich will nicht nach Berlin' und ein viermal wiederholtes, lautes 'Nein'. Lena und ihre Freundinnen - die Filmband The Bambooles, und Hans gehen mit, klatschen, wippen im Rhythmus. Ein reiner Moment der Gemeinsamkeit und Freude. Vor wie hinter der Kamera volle Geschäftigkeit, Hagen lacht, Peter trommelt mit.
Der Kameraaufbau auf dem Dolly schwenkt über die Szenerie, wird gezogen und in seinen Bewegungen vom Kameraassistenten mit einem Gegengewicht austariert. Ein großer Aufheller aus Styropor wird parallel mitgetragen und droht mit dem Gehäuse zu kollidieren, der Träger über die Dollyschienen zu stolpern. Aber alles klappt.
Die Szene wird auf dem Videomonitor kontrolliert und ist in Ordnung. Objektivwechsel für Nahe und Details, das Lied und die Szene werden noch mehrmals angespielt.
Um 22.15 Uhr ist Mittagspause. Die seltsamste Zeit für (Tofu-) Schnitzel mit Pommes und Buttergemüse. Nachtdreh eben. Derweil treffen die Komparsen für Bild 33 ein, die gleich weitergewinkt werden aufs Außenset, wo die Ausstattung schon einrichtet. Lichterketten überspannen die Straßen und Wege zwischen den Gebäuden. Rote Buchstaben aus Styropor, frisch gestrichen und noch ganz feucht, bilden das Wort 'Capitol' und werden über einem Eingang montiert. In der Auslage eines Verkaufsstandes sind Obst, Backwerk und Getränke angerichtet. Julia, die zweite Regieassistentin, weist die Statisten in deren Aufgaben ein. Das Team spricht scherzhaft vom 'Kunstpark Ost'.
Hagen: "... geiler Türsteher, was?! Voll der Schrank, ... und Du kotzt dann dorthin, hahaha, ... und von da hinten kommt dann 'nznznz' {Technosound} ...,"
Technische Probe.
Hagen: "Halt! Alles schön, Ihr {Elinor und Luise} wart zu schnell. Noch mal von vorn. Wissen die Komparsen bescheid? Ja? Gut."
Bea, Skript, weist auf mögliche Anschlussfehler hin. Kurze Diskussion, ob Lena in der Szene zuvor eine Tasche dabei hatte. Probendurchsage übers Megafon vom Setaufnahmeleiter. Das Team drängelt sich in die hinterste Ecke, weil die Kamera über das ganze Set schwenkt. Eine kurze, vertraute Absprache zwischen Hagen und Philipp. Anschließend die Ansage, dass von der Szene zwei oder drei Varianten gedreht werden: Lena und Klara kommen zum ersten Mal auf das Gelände von Hans.
Hagen: "Okay, ich hab' sie noch 'n bisschen hinten anfangen lassen, wegen der Schatten."
Mark, der den Ton steuert und über Kopfhörer kontrolliert: "Zug, wir haben einen Zug!"
Abbruch.
Hagen: "Bitte lasst es uns tun!"
...
Hagen: "Danke! Die war doch schon super. Mädels, fantastisch! Ich wiederhol' mich zwar täglich, ... ."
Die Aufnahmen gehen weiter, nach der nächsten Einstellung wird die Kamera wieder Innen aufgebaut.
Foto © Katharina Simmet















